'curare2'
kuratiert von Rik Reinking
25.03. - 21.05.2011
Eigentlich malt Norbert Frensch lediglich Röhren und Schalen.
Doch mit ein paar flüchtigen Blicken im Vorbeigehen ist es bei
seinen Bildern nicht getan. Der Betrachter muss aktiv werden, in Bewegung
bleiben, seinen Standpunkt laufend ändern, damit er nicht nur
das eigene suchende Gesicht sieht, das sich in der hochglänzenden
schwarzen Dammarharzschicht wiederspiegelt,. Bei den „schwarzen
Bildern“ geht es nämlich nicht vordergründig um das
immer wiederkehrende Motiv der Metallschale, sondern um den Vorgang
des Sehens und sichtbar Werdens durch den spärlichen Einsatz
von Licht. So kann man sich nie sicher sein, ob die Schale im Begriff
ist zu verschwinden oder zu erscheinen. Rik Reinking beschrieb den
Effekt der Bilder einmal mit „Entschleunigung des rasenden Alltags“,
da man sich Zeit zum Betrachten nehmen muss und will. Ähnlich
verhält es sich bei seinen sogenannten „grauen Bildern“,
die in den letzten sechs Jahren entstanden sind und förmlich
ein Eigenleben zu führen scheinen. Wie ein überdimensional
vergrößerter Brustkorb, kommen uns, dem Betrachter, die
rippenartigen Streifen mit jedem Atemzug entgegen und man vergisst
schnell dass es sich hierbei um Ölfarbe auf Leinwand handelt.
Solche organischen Assoziationen entstehen auch bei der Betrachtung
von Michael Schmeichels restfigürlichen Bildern. Der junge Künstler
machte schon während seines Studiums an der HAW mit dreidimensionalen
Wandarbeiten, bei denen er Rahmen und Leinwände um sich selbst drehte
und wand, auf sich aufmerksam. Parallel dazu arbeitete er weiter an figurativen
Arbeiten und überrascht in dieser Ausstellung mit Werken von hoher
künstlerischer Qualität. In harmonischen Farbpaletten gehalten,
enthalten die Arbeiten meist einen sehr figurativen Kern. Mal ist es
ein Schädel, dessen runde Form sich aus der roten Tiefe abhebt,
mal die Skelettstruktur eines Armes, dessen Zeigefinger nach rechts auf
einen Gegenstand außerhalb der Bildfläche verweist. Wie die
Synapsen eines menschlichen Nervensystems verbindet Schmeichel zarte
Linien mit klaren Formen und wie jenes, lassen seine Werke keinen Zweifel
an der absoluten Notwendigkeit ihrer Existenz.
Annika Turkowski
ausstellungsbegleitendes Booklet
32 Seiten, mit einem Text von Rik Reinking, Auflage 1.000
Exemplare
Schutzgebühr Euro 5,- | » Bestellung
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