'Von der Wand in den Raum in den Himmel'
26. März - 29. Mai 2010
Einführung
von Hajo Schiff
Sonderveranstaltung Freitag, 09. April | 19 Uhr
anlässlich einer Gemeinschaftseröffnung
der Galerien im Kontorhausviertel:
Präsentation der Künstlerdokumentation „3D“ von Boris
Castro über Heiko Zahlmann
„Von der Wand in den Raum in den Himmel" – ein Titel, der
die künstlerische Entwicklung des Hamburgers Heiko Zahlmann (*1973) exakt
beschreibt. Dessen gestalterische Wurzeln liegen unverkennbar im Graffiti,
mit dem er einst abweisendem Beton Farbe verlieh und der Tristesse der Stadt
Leben einhauchte. Schon zu Beginn seiner Laufbahn als Graffiti Writer, 1989,
beschäftigte sich Zahlmann intensiv mit Strukturen und Oberflächen – zunächst
durch den Gebrauch von Farben und der Sprühdose, mit deren Hilfe er ganze
Stadtteile gestaltete und vielerorts mit seinen Projekten im öffentlichen
Raum für Aufmerksamkeit sorgte. So beispielsweise mit dem „höchsten
Graffiti der Welt“, das ihm einen Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde
brachte. Oder aber als Teil des Künstler-Kombinats „getting-up“ sowie
Mitveranstalter der legendären „Urban Discipline“-Ausstellungen.
Und sicherlich auch aufgrund eines 2.000-Quadratmeter großen Bildes am
Dock 10 von Blohm & Voss im Hamburger Hafen - dem weltweit größten
dieser Art - welches in dreijähriger Arbeit mit zahlreichen befreundeten
Künstlern realisiert wurde.
Genau dort, in der Stadtwüste, hat Heiko Zahlmann seine Beobachtungsgabe
für den urbanen Alltag, aber auch das schnelle Arbeiten im öffentlichen
Raum gelernt. Eine Arbeitsweise, die er sich bis heute erhalten hat, wenngleich
seine heutigen Werke deutlich konzeptioneller und minimalistischer wirken.
Bereits um 2005 herum begann Zahlmann, mehr und mehr auf Farben und gemalte
Effekte – bei denen Dreidimensionalität häufig nur imitiert
wird – zu verzichten. Neuer Fokus seiner Kunst wurde die Auseinandersetzung
mit dem öffentlichen Raum und seiner Architektur, der Oberfläche
des Urbanen. Statt monumentaler Wandbilder entstanden nun tatsächlich
plastische Objekte: Skulpturen aus Holz, Beton und Kunststoffen sowie raumfüllende
Wandreliefs, die anders als 3D-Graffiti den öffentlichen Raum endgültig
für sich eroberten.
Doch leugnet Heiko Zahlmann seine Geschichte auch nach zahlreichen Ausstellungsprojekten
in renommierten Galerien und Museen nicht, denn seine grenzüberschreitenden
Werke wären ohne seine Sprayervergangenheit kaum möglich und denkbar.
Dieses wird beispielsweise deutlich, wenn er alte Graffiti-Gesten in rudimentärer
Form in der Wüste der Vereinigten Arabischen Emirate unter freiem Himmel
und in einer ganz neuen Form von öffentlichem Raum entstehen läßt.
Oder aber, wenn er rustikal-anmutende Betonwürfel mit Farbe übergießt,
MDF-Tafeln mit seiner ihm eigenen Ritz- und Kratztechnik bearbeitet oder monochrom
wirkenden Kuben eine zusätzliche Oberfläche verleiht, die mehr geschrieben
als gemalt erscheint.
Seine Affinität zur Architektur und die verstärkte Auseinandersetzung
mit dem öffentlichen Raum verband Heiko Zahlmann schnell mit der Galerie
Borchardt. Nach zwei gemeinsamen Gruppenausstellungen und der intensiven Zusammenarbeit
von Galerie, Künstler und dem befreundeten Architekturbüro BN Architekten
zum Thema „Kunst am Bau“, findet nun mit „Von der Wand in
den Raum in den Himmel“ die erste Einzelausstellung Zahlmanns in Hamburg
statt. Neben Betonarbeiten, freistehenden Skulpturen und MDF-Arbeiten werden
erstmals auch zwei Filme von Boris Castro gezeigt: „20357concrete“ und „3D“ beschreiben
die jüngste Entwicklung Heiko Zahlmanns, ohne dabei eine klassische Dokumentation
zu sein. Die Filme Castros könnten vielmehr als eigenständiges Werk
aufgefaßt werden und erweitern die Ausstellung um eine weitere Dimension:
Bewegung.
Zusätzlich zu den jüngsten Arbeiten Zahlmanns erscheinen zwei besondere
Editionen: Neben einer Auflage an hochwertigen Drucken (limitiert auf 33 Stück)
veröffentlicht der Künstler gemeinsam mit dem Verlag GUDBERG und
Paperlux ein sehr aufwendig produziertes Künstlerbuch, bei dem dank Laser-
und Siebdrucktechnik das plastische Moment von Zahlmanns 3D-Werken widergespiegelt
wird.
Darüber hinaus präsentiert Heiko Zahlmann – selbst ein erklärter
Sneaker-Sammler – gemeinsam mit NIKE seine eigene Interpretation des
legendären Dunk High Laser mit dem Titel „20357“ (voraussichtliche
Auflage von zehn Stück).
Ob Kunstwerk, Buch, Edition oder filmischer Beitrag – mit „Von
der Wand in den Raum in den Himmel“ steht Heiko Zahlmann mit seiner heutigen
Arbeit für die stetige Weiterentwicklung des Ursprung-Mediums Graffiti
und für ungebändigten Innovationsdrang. Indem er Grenzen der Gestaltung
und Ästhetik immer wieder bricht und erweitert, zeigt uns Heiko Zahlmann
bereits jetzt, wie die Tags einer fernen Zukunft aussehen könnten und
wie Graffiti es schaffen kann, dem Zeitgeist immer noch einen Schritt voraus
sein zu können.
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