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Johannes Speder
 "Myself as a Kuenstler
 als schmaler junger Mann,
 vor der Wand schwebend", 2000




'me! me! me!'

Skulpturen und Installationen   
28.10. - 16.12.00

Presse:
Prinz, 11´00
Hamburger Morgenpost, 3.11.00


Das Projekt:

Nach seiner ersten Ausstellung bei uns "Take Your Favourite" im Jahre 1997 muss man feststellen, das Johannes Speder seinem Thema, der menschlichen Figur - und insbesondere dem "Kopf" als Gegenstand seiner künstlerischen Auseinandersetzung - treu geblieben ist.

Im Gegenteil: offensichtlich hat sich der Kopf in der Zwischenzeit vom Postament (dem schweren Sockel) gelöst und entwickelt zunehmend ein vielschichtiges Eigenleben. Auch die Zahl der Schädel hat beachtlich zugenommen. Für die Installationen zu "me, me, me" wurden ca. 180 Köpfe geformt. Konsequenterweise sind die Köpfe nun nicht mehr in der klassisch bildhauerischen Einzelfertigung entstanden, sondern sind das Produkt einer technisch aufwendigen Serienproduktion. Dieser Kopftyp bleibt dabei für Johannes Speder nur Baustein für seine Installationen.

Der einezelne Kopf, den man - wie der Titel "me, me, me" bereits verrät - ebensogut auch als "seinen" Kopf bezeichnen könnte, stellt so gesehen nur eine Art Baustein dar, der erst durch eine entsprechende Gruppierung oder Positionierung Inhalte aufnimmt und transportiert. Johannes Speder beansprucht dabei nicht, als Einziger diese Inhalte zu bestimmen. Die Skulpturen stellt er auch der "Fremdbestimmung" zur Verfügung, d.h., diese "Aheads" sind auch einzeln zu haben.

Aufschlussreich für das Verständnis seiner Arbeiten sind die Titel. Diese lassen erkennen, das sich das Hauptinteresse des Künstlers auf zwei Bereiche fixiert: die eigene Position des Künstlers im hier und jetzt, und die Stellung des Selbstportraits in der heutigen Kunst.

Diese Bestimmung findet bei Johannes Speder meist einen originellen – mitunter aber auch schon mal einen grotesken Ausdruck.

Ein paar Beispiele:

Während die Installation "Genetic Dream" mit ihren 64 Einzelköpfen auf die scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten der Bio-Tech-Industrie abhebt, stellt die Arbeit "X + Masse" diese Verheissung schon wieder in Frage. Der unförmige Einzelkopf weckt in seiner Distanz zum Kopf-Klumpen allemal grösseres Interesse, als die Masse.

Die Übersetzung des Portraitgedankens in den binären Code der Computer-Maschinen-Sprache ist in der Wandinstallation "Myself as a Binary Code" gelungen. Aus der Zuordnung Farbe "blau=1" und "rot=0" formt Johannes Speder hier den Titel der Ausstellung "Me", den somit sogar Maschinen verstehen könnten.

Der Hinweis auf Richard Longs Steinkreise in der Installation "Myself as a Circle (tributed to Richard Long)" ist insofern bezeichnend, da Richard Long seine (in allen Museen für Moderne Kunst ausgelegten) Steine als Verweis auf die individuellen Erfahrungen des Schaffensprozesses versteht – dessen Reflexion schlussendlich im Kopf stattfinden muss. Johannes Speder legt abkürzend an die Stelle der Steine – gleich die Köpfe.

Eine originelle Auseinandersetzung mit der Pop-Art und den 60-iger Jahren findet in den Arbeiten "Myself as a Peace-Sign" und der quitschbunten Wandinstallation "Myself as a Flower" ihren selbsterklärenden Ausdruck.

Augenzwinkernd und ironisch schweben die lebensgrossen Figuren zu "Myself as a Big Blue Dream" schwerelos im Raum – während der Betrachter darunter stehen bleiben muss.

Grotesk wirkt die Skulptur "Myself as a Venus". Quietschgelb sehen wir die Figur einer Venus von Boticelli. Auf das milde Lächeln müssen wir allerdings verzichten – sie wird selbstverständlich von einem Speder-Kopf gekrönt.

Insgesamt vereint diese Ausstellung ein hohes Mass an Reflexion mit der sicheren Gabe, auch grosse Räume dramaturgisch aufregend zu bespielen.

Eröffnungsansprache von Irene Athanassakis

"Myself as a Flower, Myself Morphing, Big Blue Dream, Genetic Dream...

Was als Hochlied auf das lange gefeierte Ich und sein Primat anklingt, verwandelt sich schon bei näherem hinhören, auf die Titel der hier präsentierten Arbeiten nämlich, zu einem Ich das die Welt der Träume und Wünsche betritt, sich unbeschwert vervielfältigt, verzerrt, dann in diverse Identitäten, ja Morphologien und Spezies changiert.

Das Multiple, Ausgangspunkt der Arbeiten von Jo Speder, sah sich schon in seinen Anfängen, den sechziger Jahren, als ironisches, lustvolles und kritisches Manifest in einer Gesellschaft, die sich in Massenproduktion und -Konsum definiert, erhält und unterhält. Die unzähligen Campbell Dosen, die multiplizierten und bunten Marylin Porträts, ja das US Dollar Zeichen selbst, wurden zu seinen Sinnbildern.

Die Massenproduktion hat sich weiterentwickelt, ausgedehnt, wir haben sie internalisiert. Selbstverständlich empfinden wir in Marken, sehen in Logos und wittern bei jedem Anklingen eines Jingles Wunscherfüllung.

Glänzend, sophisitiziert, bunt oder dezent, edel, designed oder trashy, geben sich unsere Wünsche in der zum Verkauf angebotenen Produktion zu erkennen. Und wir wissen es: wir brauchen sie, die sorgfältig nach Marktstudien und psychologischen Test entwickelten Produkte, die unsere Kreditkarten für uns besorgen.

Das Ich hat gut mitgespielt. Sich geschmeichelt und umworben, sich einzigartig und wertvoll und belohnenswert gefühlt. Ist gewachsen und zum potenzierten Ich geworden. Hat das Wir und das Du in die hinteren Reihen verwiesen.

Ein potenziertes, unendlich vervielfältigbares Ich verführt sowohl zum Spiel, als auch zu Fragen.

Ist ein Ichichichichichichichichichichich.... noch ein Ich? Oder bloß noch Formel, Hülle, beliebig? Wo ist das richtige“ Ich in all diesen Ichs? Auf welches dieser vielen Ichs könnte Mann/ Frau/ Ich verzichten? Ein multipliziertes Ich ist ein unsterbliches Ich. Soll es das sein? Was würde die ewige Reproduktion desselben aus Selbstverliebtheit oder Angst vor dem Danach, dem Aus, dem Tode bedeuten? Ein potenziertes Ich als Alptraum seiner selbst? Ein Ich aus dem Supermarktregal?

Zum Spiel mit der Masse der Sechziger kam die unerbittliche Suche nach unserem Code“, nach dem Code des Lebens. Und wir, unsere Forscher, finanziert von unserer Wirtschaft, wurden fündig. Da ist er also, unser Code, wird uns versichert. Wir kennen sie, die Zauberformel. Sie liegt bereit zur Kontemplation, zur Verbesserung, was immer das heißen mag, zur Spezialisierung, zum Spiel, zur Mutation. Die Euphorie hat den Terror zum Gefährten gewählt. Der Übermut über so viele Möglichkeiten wird eingeholt von Befürchtungen. Morphing nach menschlichen Vorstellungen bleibt menschlich. Ist menschlich auch gut?

Jo Speder erklärt den Kopf zum Alter Ego, Repräsentanten des Ich. Vervielfältigt diesen 170 mal, lustvoll und unbarmherzig gleich. Taucht ihn in Yves Klein Blau, das Göttliche-Sublime. Auch die Rostfarbe einzelner Köpfe, einziges Indiz für Vergängliches, ist ein Fake, aufgetragene rostfarbene Farbe, altbewährtes Werkzeug der Maler, Schöpfer des Künstlichen.

Der immergleiche immerjunge Kopf darf schweben und auf schwebenden Matrixkörpern sitzen, auf unsympatischen oder auch auf schönen altbekannten Frauenkörpern. Kunsthistorische Zitate, wie die Venus von Botticelli, Yves Klein und der Kreis von Richard Long werden zu subjektiv gewählten Versatzstücken.

Oder aber der immergleiche Kopf wird sukzessive verzerrt: in die Breite. Formales Experiment und bewusste Gestaltung des Alter Ego Kopfes, nach Belieben des Experimentierenden.

Jo Speder sagt es uns ästhetisiert und durch die Blume: Das Ich ist nicht mehr einzigartig, aber frei sich zu wandeln bzw. verwandelt zu werden. Aus einem Immergleichen kann Phantastisches entstehen. Und eröffnet das Spiel: Morphing me me me/ Ichichichichichichichichichichichichich.....

Die Freude am Multiplizieren, eine menschliche, allzumenschliche Freude an der Vermehrung, dem ewig Erscheinenden, paart sich mit dem endlichen Raum und skurrilen oder ironischen Wunschvorstellungen.

Und erzählt von einer sinnlichen und spielerischen Suche nach dem Menschen, seinem Gesicht, seinem Körper, bzw. deren Facetten und Möglichkeiten in einer Welt mit immer unbeschränkteren Möglichkeiten....

Das Objekt der Vervielfältigung, der Kopf, wurde bisher nur als Beiwerk einer multiplen Produktion erwähnt. Tatsächlich handelt es sich jedoch um ein Spezifikum in Jo Speders Arbeiten. Seit den Anfängen unserer Bekannt- und Freundschaft, bei Alfred Hrdlicka in Wien, ist Jo der Mann mit den großen, bunten und eigenwillig geformten Köpfen, deren ausgeprägte Gesichtsmerkmale immer mehr die seinen werden. Schwer waren sie anfangs, die Köpfe, massiv , frenetisch und sensibel aus Holz gearbeitet. Nunmehr erscheinen sie schwer beschäftigt und grübelnd. Sie erzählen die Geschichte eines Liebeskampfes mit dem Material, der Form, dem Körperlichen und, last not least, mit dem Kopf. "

© s. Impressum



JOHANNES SPEDER
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Biografie
Ausstellung | 14
Ausstellung | 12
Ausstellung | 00
_ Movie
Ausstellung | 97
Movies
Presse


"Genetic Dream", 1999







"Myself as a Peace-Sign", 2000 "Myself as a Flower", 2000 "Myself as a Big Blue Dream", 2000







"X + Masse", 1999







"Myself as a Circle (tributed to Richard Long", 2000







"Myself as a Venus", 2000



Movie

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