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Clemens Behr | Wolfgang Flad | Heiko Zahlmann 
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Dimensionen

Skulpturen, Installationen, Wandbilder

Drei Plastiker tun sich zusammen, um ihre Arbeiten gemeinsam zu zeigen. Was ihren Arbeiten, abgesehen vom Medium, gemein ist? Die Abstraktion zum Beispiel. Sowohl die in Berlin lebenden Künstler Clemens Behr und Wolfgang Flad, als auch der Hamburger Heiko Zahlmann haben sich für diesen Ausdruck entschieden. Ihre Ergebnisse aber, der ihnen eigene Stil, ist dabei denkbar differenziert...
(Auszug aus dem Katalogtext “Dimensionen” von Jan Kage, 2016)

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Da sind zum einen die Formen, die sie ihren Arbeiten geben. Der eine wählt die klar definierte Kante, der andere den mehr oder weniger zufällig zustande gekommenen Bruch und beim dritten wiederum wuchert es, als würde sich eine Brennnessel im Grund verwurzeln. Und auch die Farbwahl, die das Werk jeweils prägt, ihm einen Wiedererkennungswert mitgibt, ist eigen.
Jeder Künstler hat in der Ausstellung „Dimensionen“ also sein eigenes Feld stilistisch abgesteckt, man nimmt sich nichts, es gibt wenig Überschneidungen und somit Konkurrenz. Und doch gibt es, wie beschrieben, genug gemeinsame Ansatzpunkte, um einen spannenden Dialog zwischen den jeweiligen Positionen zu inszenieren. Denn eigen ist den Künstlern und ihren Werken neben der Abstraktion auch ungefähr ihr Alter und die ständige Suche nach Form, das Weitertreiben der Grenzen der eigenen Ausdrucksmöglichkeiten, das Ausprobieren unterschiedlicher, zum Teil auch ungewöhnlicher Materialien, das nicht Stehenbleiben und Verharren, sowie eine starke visuelle Präsenz der Arbeiten selbst.

Ein kurzer Versuch die ganz individuellen Ausdrucksformenformen der Drei zu beschreiben:

Bei Clemens Behr sind es zusammengefügte Fragmente, durch den Bruch entstandene Formen, die mit sicherem Gespür für das Formenspiel frei assembliert werden, zu einem neuen Ganzen geformt werden. Und das Wort Spiel ist hier durchaus angebracht. Dem Musiker gleich, der sein Können und Gespür über Jahre schult und trainiert, um dann im freien Spiel zu glänzen, in der Improvisation seinen Ausdruck aufzuführen und in Kommunikation mit den Anderen zu treten, versteht es Clemens Behr einzelne Stücke - vorgefundene oder eigens hergestellte - mit großer Sicherheit spielerisch zu etwas harmonischem Neuen zusammenzufügen. Sein Material ist Industriestandard, MDF-Holz, Plastikplatten, Schrauben, manchmal auch Trash, Objects Trouvé. Die Technik der Transformation einfachen, billigen Materials zu Kunst verbindet Clemens Behr mit der Kunstgeschichte, mit Dada, Kurt Schwitters, mit Collage und Punk. Dass er seine Arbeit dabei oft im öffentlichen Raum inszeniert, verbindet ihn mit der Urban Art Szene. Aber das sind lediglich Referenzen für einen eigenständigen Künstler mit einer klaren und wiederkennbaren Bildsprache.

Wolfgang Flads Arbeiten muss man in zwei Gruppen besprechen. Da sind zum einen die eher zweidimensionalen Schleif-Zeichnungen für die der ausgebildete Maler mit der Bohrmaschine lackierte und auf Hochglanz polierte Platten fräst. Hier wird eine Bewegung abgebildet, das Gestische, Malerische steht im Vordergrund und schreibt sich grob-authentisch in die glatte Oberfläche ein. Auch hier: Das Spiel. Vordergründig destruktiv, aber wahre Schönheit festhaltend, denn es sind ja die Gesten des Künstlers, die einem Pinselstrich gleich in das Format gebracht werden. Bloß das hier nicht Farbe hinzugefügt, sondern diese subtrahiert wird. Durch diesen Prozess wird der Blick freigegeben auf das Material hinter der glatten Oberfläche, auf das Holz hinter dem Lack und auf seine Maserungen. Wie eine Kaltnadelradierung in Holz. Diese an der Oberfläche abgebildete Bewegung lässt sich auch in Flads Skulpturen finden. Auch hier fehlen Kanten und Ecken, stattdessen wabert und wuchert es. Es scheint sich hier organisch eine Biologie Bahn zu brechen, deren Natur man nicht genau kennt. Es morpht die Form, verästelt sich, wie Arterien, Knochenstrukturen, Karzinomen gleich auf eine enigmatisch schöne, aber gleichzeitig auch auf eine geradezu unheimliche und obszöne, auf eine unbändige Art und Weise. Gefasst wird dieses Wuchern dann schlussendlich doch in Kanten, quadratischen Platten, die mehr als Sockel sind, eher Fundament, in abgeschnittenen und abgeschliffenen Seiten, die das Bild einem Rahmen gleich zumindest an einer Seite abschließen.

An Heiko Zahlmanns Kunst wiederum ist rein gar nichts organisch. Im Gegenteil, die Grundform ist die klare Kante, das Orthogonale, die der Künstler in seiner Formfindung nutzt. Der Raum ist hier ein sehr geordneter und klar strukturierter. Die Kanten, die Linien sind hoch dynamisch, suggerieren Bewegung. Mit verschiedenen Werkstoffen stellt Zahlmann seine Skulpturen und die Reliefs her. Seine Herkunft aus der Graffiti-Szene, aus der sich Zahlmann Mitte der 90er verabschiedete, ist den Arbeiten nur noch bedingt anzusehen. Denn irgendwann fing Zahlmann an, die strengen Regeln der Subkultur zu brechen und in einem autodidaktischen Prozess zu einem sehr eigenen Ausdruck zu finden. Die pralle Farbigkeit der Wandbilder wurde reduziert - auf zwei Farben oder gar gänzlich zur monochromen Oberfläche. Die schwungvollen Formen wurden zurückgefahren zu geraden Linien mit spitzen und mit stumpfen Ecken. Die beim Graffiti für Eingeweihte noch lesbare Schrift wurde soweit minimalisiert und abstrahiert, dass oft nur noch das reine Formenspiel bleibt, der Buchstabe sich vollends der Pflicht der Informationsübermittlung entzieht. Vor allem aber schuf sich Zahlmann – und das ist so ziemlich einzigartig – mit seinen Betongussblöcken und seinen Wandapplikationen, seinen Reliefarbeiten das Medium selbst. Den meist misslungenen Versuch Graffiti von der Wand auf die Leinwand zu bringen, unternimmt Zahlmann erst gar nicht. Seine Schrift wird zur Wand selbst, kommt aus ihr heraus oder funktioniert als Skulptur im öffentlichen Raum.
So geht es bei der Gruppenschau „Dimensionen“ um die Suche dreier ganz unterschiedlicher Künstler nach Form. Ob Bruch und Collage, Verästeln und Wabern, Markieren und Stylen, dies alles sind Techniken, die aus einer Bewegung kommen und künstlerisch genutzt werden, um etwas festzuhalten, es quasi einzufrieren. Es geht um Dynamik und darum, diese in einem kurzen Moment, einem Augenblick nur festzuhalten, um sie studieren zu können, um sie erkennbar und die ihr eigene Schönheit genießbar zu machen. Dass alle drei Künstler hierfür die Abstraktion als Ausdruck wählen ist kein Zufall, vielmehr ist es notwendig. Denn das große Ganze, das schwer zu Beschreibende, vermittelt sich zwar konkret, doch nicht in einem Bild allein. Es bleibt nur ahn-bar. Man weiß darum und kann es doch nicht genau in Worte fassen. Aber man kann versuchen, ihm eine Form zu geben. Für den Moment, in Zeit und Raum. In Dimensionen.
(Jan Kage, September 2016, Berlin)

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